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Endokrinologie

Hyperkalzämie: Diagnose

Hyperkalzämie

Definition

Eine Hyperkalzämie liegt vor, wenn die Serumkalziumkonzentration über 2,60mmol/l liegt. 99% des Gesamtkörperkalziums befinden sich im Knochen (etwa 1.000g).

Symptome

Die Symptome der Hyperkalzämie betreffen zum einen das zentrale Nervensystem, wobei Müdigkeit und depressive Verstimmung sehr häufig initiale Symptome darstellen, bei ausgeprägten Hyperkalzämien jedoch auch Somnolenz und Koma auftreten können. An möglichen gastrointestinalen Symptomen sind Übelkeit, Erbrechen, Obstipation, Pankreatitis, Cholelithiasis und peptische Ulzera erwähnenswert. Renale Symptome umfassen Polyurie, Dehydrierung, Elektrolytverlust (Magnesium, Kalium), Nephrolithiasis und Nephrokalzinose. Bei Hyperkalzämie können auch Hypertonie, EKG-Veränderungen (verkürzter QT-Abstand) und Arrhythmien auftreten.

Diagnose

Zunächst sollte durch Anamneseerhebung eine medikamentöse Ursache (Vitamin D, Thiaziddiuretika, Lithium) ausgeschlossen und durch Bestimmung der Serumalbuminkonzentration (oder des freien ionisierten Kalziums) die Hyperkalzämie bestätigt werden. In der Folge sollte dann durch Bestimmung von Kreatinin, Phosphat und Parathormon ein primärer Hyperparathyreoidismus bestätigt oder ausgeschlossen werden. Die häufigsten Ursachen für die Hyperkalzämie sind Malignome und der primäre Hyperparathyreoidismus. Selten ist die Bestimmung von 25-OH-Vitamin D3 oder des aktiven Metaboliten 1,25-Dihydroxyvitamin D3 hilfreich.

 

Hyperkalzämie
PTH-abhängig Primärer Hyperparathyreoidismus
Lithium
familiäre hypokalzurische Hyperkalzämie
Malignom

PTHrp: Mamma-Ca, nicht-kleinzelliges Bronchus-Ca, Nierenzell-Ca, Kopf-Hals-Ca, Urogenitaltrakt-Ca

Knochenmetastasen und andere Mediatorsubstanzen:
Mamma-Ca, Prostata-Ca, multiples Myelom, Lymphome, Leukämie

Vitamin-D-abhängig Intoxikation
Sarkoidose
andere granulomatöse Erkrankungen
andere Ursachen Hyperthyreose
Immobilisierung
Thiazid-Diuretika
Vitamin A
tertiärer Hyperparathyreoidismus
Aluminiumintoxikation
Milch-Alkali-Syndrom

 

Der primäre Hyperparathyreoidismus ist durch eine erhöhte Serumkonzentration von Parathormon, eine Hyperkalzämie und eventuell eine Hypophosphatämie charakterisiert. Anzumerken ist hier, dass auch nur gering erhöhte PTH-Konzentrationen bei Hyperkalzämie für einen primären Hyperparathyreoidismus sprechen. Häufigste Ursache ist ein Adenom der Nebenschilddrüsen, selten ist dies im Rahmen einer multiplen endokrinen Neoplasie (MEN 1 oder 2A), einer Epithelkörperchen-Hyperplasie oder eines Parathyreoidea-Karzinoms der Fall. Die Lokalisationsdiagnostik erfolgt am besten durch eine Sonographie des Halses und eine MIBI-Szintigraphie.

 

Häufigste Ursache für eine Hyperkalzämie sind jedoch maligne Erkrankungen (ca. 40%), hier ist Parathormon supprimiert. Die Hyperkalzämie kann durch ein dem Parathormon ähnliches und gleich wirkendes Peptid (PTH-related peptide = PTHrp), dessen Serumkonzentration bestimmt werden kann, verursacht sein. Es können jedoch auch andere Mediatorsubstanzen (Prostazyklin, Zytokine) und osteolytische Knochenmetastasen eine Hyperkalzämie hervorrufen. Im Vordergrund einer durch ein Malignom verursachten Hyperkalzämie steht naturgemäß die Suche und die Behandlung des verursachenden Tumors. Die Hyperkalzämie ist oft schwer therapierbar. Hoch dosierte, intravenös verabreichte Bisphosphonate stellen hier die Therapie der 1. Wahl dar, eventuell in Kombination mit Kalzitonin und Glukokortikoiden.

 

Die Vitamin-D-abhängige Hyperkalzämie kann einerseits iatrogen durch eine medikamentöse Gabe von Vitamin D, z.B. im Rahmen einer Osteoporosetherapie, verursacht sein, kann aber auch im Rahmen einer Sarkoidose oder anderer granulomatöser Erkrankungen wie Tuberkulose, Lepra und Histoplasmose auftreten.

 

Eine Hyperkalzämie kann auch durch Immobilisierung und Thiazid-Diuretika verursacht werden, selten durch eine Hyperthyreose oder Vitamin-A-Intoxikation.

 

Im Rahmen einer Niereninsuffizienz kann sich aus einem sekundären Hyperparathyreoidismus, bei dem erniedrigte bis normale Serumkalziumkonzentrationen vorliegen, durch Autonomisierung der PTH-Produktion auch ein tertiärer Hyperparathyreoidismus entwickeln, der eine Hyperkalzämie verursacht und wie der primäre Hyperparathyreoidismus operativ zu behandeln ist. Sehr seltene Ursachen für Hyperkalzämie sind die Aluminiumintoxikation und das Milch-Alkali-Syndrom.

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Letztes Update:16 März, 2009 - 13:44